Tjark Worthmann

„Am Ende ist es nur ein Fahrrad“

Fred Dalladas bietet seit einem Vierteljahrhundert fast alles für das Rad

Seit 25 Jahren ist Dalladas Rad & Service für seine Kundinnen und Kunden der Ansprechpartner, wenn es um das Thema Fahrrad geht. Wir haben dem Traditionsgeschäft in der Friedrich-Ebert-Straße einmal einen Besuch abgestattet.

Fred Dalladas schaut skeptisch über seine Brille. Der Inhaber des Fahrradladens in der Bremer Neustadt steht inmitten unzähliger Sättel, Rahmen, Werkzeuge, Schrauben und Mäntel. In der Hand hält er eine große Spannzange. Er tut, was er gerne tut. Das merkt man. Bereits seit 25 Jahren ist das kleine Geschäft an der Hauptverkehrsstraße ein Zufluchtsort für alle, die einen Platten haben, eine neue Klingel brauchen oder das genau für sie passende Fahrrad suchen. Die Zange in seinen Händen spannt den hinteren Teil des Stahlgestells an einem Hollandrad, das gerade hilflos in dem Montageständer hängt. „Ich bin der unfreundlichste Fahrradhändler in Norddeutschland“, wird er am Ende unseres Gespräches mit einem kleinen Lächeln im Gesicht sagen. Glauben kann man es ihm nicht.

Über 70 Fahrräder in der eigenen Sammlung

„Ich habe mir damals den Arbeitsplatz selbst geschaffen“, sagt Dalladas, dem das Schrauben am Fahrrad schon immer Spaß gemacht hat. Der gebürtige Berliner war bereits Kfz-Mechaniker, als ihn die Liebe zu den zwei Rädern packte. Zwar hat er heute auch noch drei alte Autos in der Garage, doch die meiste Zeit verbringt er mit seiner wirklichen Leidenschaft. Über 70 Räder befinden sich in seiner privaten Sammlung, die bald Am Dobben 127 im Viertel ausgestellt und teilweise veräußert werden soll. Ob er sich denn auch leicht trennen kann von seinen Schätzen? „Irgendwann wird das alles die gleiche Soße. Am Ende ist es schließlich nur ein Fahrrad“, gibt er einen kleinen Einblick in seine Gefühlswelt.

Der schwarze Gummimantel am Hollandrad wehrt sich mehr als erwartet. Ein Griff des erfahrenen Schraubers in Richtung Werkbank bringt eine große Kneifzange ins Spiel. „Gutes Werkzeug braucht man“, klärt er über die Eigenschaften auf, die man in diesem Geschäft mitbringen muss. Organisationstalent bei der Koordination von Zeitabläufen und handwerkliches Geschick gehören laut dem Inhaber ebenfalls zum Berufsbild des Zweiradmechanikers. „Unser Konzept ist, dass es möglichst keine Termine gibt“, sagt Dalladas. „Morgens bringen, abends holen. Wir haben hier wenig Platz, um die Fahrräder der Kundschaft zu lagern.“ Viele hätten gar kein Auto, berichtet er – und das Rad sei für sie das Hauptverkehrsmittel. Die Reparatur eines Platten kostet beispielsweise 20 Euro und ist innerhalb kurzer Zeit erledigt.

 


Das eigene Rad in Ruhe aussuchen

Räder nach Kundenwunsch sind das Hauptgeschäft, und dabei sei eine ehrliche Beratung unerlässlich. „Die Kundinnen und Kunden können sich ihre Räder bei uns komplett selbst gestaltet, und wir unterstützen sie bei der Auswahl der richtigen Komponenten für den jeweiligen Einsatzweck“, erzählt Dalladas. Der 65-Jährige bildet derzeit auch einen Azubi aus. „Ich sehe da eine soziale Verantwortung. Er ist 2021 fertig mit der Lehre, dann werde ich mal schauen, was ist“, sagt er über die Zukunft des Geschäftes in der Bremer Neustadt. Übrigens: E-Bikes sucht man in den Räumlichkeiten vergebens. „Da gibt es im Stadtgebiet einfach zu wenig Nachfrage“, weiß Dalladas. „Man könnte sagen, wir sind ein Unplugged-Laden“, fügt er leicht schmunzelnd hinzu.


Radexperte hat gute Vorsätze

Sichere Schlösser für Zweiräder kennt er übrigens leider nicht. „Alle lassen sich meist innerhalb von Sekunden knacken“, klärt er auf. Das Rad nachts reinzustellen sei eine gute Maßnahme gegen Diebstahl, sagt der 65-Jährige, der unbedingt wieder selbst mehr Rennrad fahren möchte. „Ich mache leider in letzter Zeit zu viele Ausflüchte, um mich nicht aufs Fahrrad zu setzen. Das möchte ich zukünftig gerne wieder ändern.“ Trotzdem hat er eigentlich jeden Tag ein Fahrrad in der Hand. „Außer, ich liege krank im Bett und kann mich nicht bewegen.“

Die etwas kühle und direkte Art des Inhabers fassen manche Menschen vielleicht beim ersten Besuch als Unfreundlichkeit auf. „Ich sehe mich eher als sachlich an“, versucht er sich an einer Erklärung. Die ist aber eigentlich gar nicht notwendig. Fahrradgeschäfte mit aufgesetzter Freundlichkeit und übertriebenen Verkaufsgesprächen braucht es nicht. Es bleibt zu hoffen, dass dieses Kleinod im Bereich Zweiradhandel in der Neustadt noch lange erhalten bleibt.

Weitere Informationen zu Dalladas Rad & Service finden sich hier.

Autorenbild Tjark Worthmann

Von Tjark Worthmann

Ich fahre am liebsten mit der Vespa oder der Schwalbe durch unsere schöne Hansestadt und entdecke dabei immer wieder geheime Wege und versteckte Orte.

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