Dat lüttje Museum – 50er-Jahre-Zimmer
Kristina Bumb

Stadtteilköpfe: Dat lüttje Museum

Arster Heimatmuseum begeistert mit Ausstellung zum Alltagsleben aus vergangenen Zeiten

Es gibt besondere Menschen im Stadtteil. Sie fallen auf, weil sie besonders präsent sind, sich für etwas engagieren oder in der Nachbarschaft aktiv sind. Einer dieser „Stadtteilköpfe“ ist Annemarie Schnieder. Sie ist Vorstandsmitglied im Arbeitskreis Arster Geschichte. Der Verein betreibt eine ganz besondere, historische Ausstellung.

Dat lüttje Museum – Annemarie Schnieder
Annemarie Schnieder ist Vorstandsmitglied des Arbeitskreises Arster Geschichte. Der Verein betreibt Dat lüttje Museum. Foto: Kristina Bumb

Im malerischen, alten Dorfkern von Arsten befindet sich ein besonderes Kleinod: Dat lüttje Museum. Das ehrenamtlich gepflegte Heimatmuseum ist dort in einem ehemaligen Bauernhaus ansässig und widmet sich der Geschichte Arstens von circa 1850 bis in die 1950er-Jahre. Dabei geht es aber nicht um nüchterne Jahreszahlen und verstaubte Büsten, sondern um das Alltagsleben, wie es bei den Großeltern oder sogar Ururgroßeltern war.

Dat lüttje Museum – alte Puppenstube „Unser Ziel ist es, die eigene Geschichte zu bewahren. Deswegen verstehen wir uns als ein Museum, in dem man Historie erlebt und bei Gelegenheit auch mitmachen und ausprobieren kann. Und unsere Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter stehen vor Ort immer gerne für Gespräche zur Verfügung“, sagt Annemarie Schnieder. Sie ist Vorstandsmitglied des Vereins Arbeitskreis Arster Geschichte, der das Museum ehrenamtlich betreibt. Ein Bauernhaus und eine ehemalige Schlosserwerkstatt bilden die Räumlichkeiten für die umfangreiche Sammlung. Das Besondere: Die Gegenstände, Werkzeuge, Kleidungsstücke, Fotos und Möbel stammen fast allesamt original aus Arsten. „Sie wurden uns für unser Museum gespendet. Die Seniorinnen und Senioren sowie ihre Familien haben sich oft sehr gefreut, dass die alten Stücke so eine Würdigung erfahren“, erzählt Annemarie Schnieder.

Dat lüttje Museum – Spielzeug MurmelnIm Hauptgebäude flanieren große und kleine Gäste – denn auch für Kinder ist das Museum gut geeignet – durch liebevoll eingerichtete Zimmer. Dort findet sich eine „gute Stube“ mit Mobiliar wie zur Kaiserzeit, eine Küche mit alten Gerätschaften, ein Raum zur Schulhistorie und anderes mehr. Zahlreiche Vitrinen mit Exponaten, Fotos und Gemälde, Möbel und mehr laden zum Schauen ein. Im Obergeschoss des alten Bauernhauses haben die Ehrenamtlichen ein Zimmer im Stil der 50er-Jahre komplett mit Nierentischen, alten Schallplatten und Co eingerichtet. Außerdem werden in dem Hauptgebäude wechselnde Sonderausstellungen präsentiert, etwa Hochzeits- und Taufbräuche des alten Arsten oder historisches Spielzeug.

Dat lüttje Museum – WaschkücheIm zweiten Gebäude, einer ehemaligen Schlosserwerkstatt, finden Interessierte zum Beispiel Exponate zur Land- und Hauswirtschaft sowie zur Handwerksgeschichte vor. Außerdem erlebt man, wie aus der Flachsblume in vielen Arbeitsschritten feiner Leinenstoff hergestellt wird, und bestaunt die großen Körbe, die Arster Marktfrauen einst auf den Köpfen trugen, um darin ihre Waren zum Markt an der Liebfrauenkirche zu transportieren. Kitakinder und Grundschülerinnen und -schüler sind regelmäßig vor Ort, um zum Beispiel mit den historischen Waschbrettern das mühevolle Wäschewaschen wie anno Tobak selbst auszuprobieren. „Wir machen viele Projekte, um Kindern die Geschichte näherzubringen“, erklärt Annemarie Schnieder.

Neben den weiteren Ausstellungsabteilungen sollten die Besucherinnen und Besucher besonderes Augenmerk auf die zahlreichen Exponate zum Straßenbau legen. „Viele Bremer Straßenbaufirmen sind in Arsten angesiedelt gewesen. In der Hansestadt gibt es kaum eine Straße, an der nicht eine Firma aus dem Ort beteiligt war. Unser Arbeitskreis-Mitglied Fredi Kifmeier hat Werkzeuge, Maschinen, Dokumente und Fotos gesammelt, um diesen Teil der Alltags- und Handwerksgeschichte zu bewahren“, sagt Annemarie Schnieder. Auf dem Außengelände können die Besucherinnen und Besucher bei gutem Wetter einen Kaffee genießen und alte handwerkliche Maschinen begutachten.

Dat lüttje Museum – TaufkleiderBetrieben wird das Privatmuseum vom Arbeitskreis Arster Geschichte. Eine Gruppe Ortsansässiger, die an der Historie des Ortsteils interessiert war, fand sich vor 35 Jahren – im Herbst 1985 – zusammen und gründete den gemeinnützigen Verein. Seitdem bauen die Ehrenamtlichen ein heimatgeschichtliches Archiv auf und sammeln Alltagsgegenstände aus vergangenen Zeiten. „Wir haben am Anfang viel mit älteren Menschen aus Arsten gesprochen, um die Erinnerungen zu bewahren und den einen oder anderen historischen Gegenstand vor dem Sperrmüll zu retten. Im Lauf der Zeit wurde das immer mehr – und die Sammlung immer umfangreicher“, erzählt Annemarie Schnieder. 2014 stellte die lokale Ilse-Köpe-Heemsath-Stiftung dann das Gebäude an der Tränke 12 zur Verfügung, sodass der Verein in vielen Stunden ehrenamtlicher Arbeit ein öffentlich zugängliches Heimatmuseum einrichten konnte. Auch das Archiv mit Fotos und Dokumenten zur Arster Geschichte ist hier untergebracht. Interessierte können dort tief in ein spannendes Stück Bremer Geschichte eintauchen.

Dat lüttje MuseumDat Lüttje Museum befindet sich in einem ehemaligen Bauernhaus mit Nebengebäude an der Tränke 12 im alten Dorfkern von Arsten. Das ehrenamtlich gepflegte Heimatmuseum zeigt vor allem Gegenstände und Fotografien aus dem Arster Alltagsleben von circa 1850 bis in die 1950er-Jahre. Sonderausstellungen, Führungen und Mitmachprojekte insbesondere für Kinder ergänzen das Angebot. Weitere Informationen zu aktuellen Veranstaltungen gibt es online. Der Eintritt ist frei.

Öffnungszeiten: jeden zweiten Mittwoch im Monat sowie jeden vierten Sonntag jeweils von 14 bis 17 Uhr und nach Vereinbarung.

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Autorenbild Kristina Bumb

Von Kristina Bumb

Als Reporterin komme ich viel rum in Bremen und umzu. Die Geschichten von Land und Leuten, die mir dabei begegnen, finde ich immer wieder spannend.

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